Spezial-Joysticks als alternative Steuerung für den Elektrorollstuhl
Ein Elektrorollstuhl gilt als Schlüssel zu mehr Selbstständigkeit, doch
nicht immer bleibt der herstellerseitige Joystick bedienbar.
Insbesondere bei fortschreitendem Kraftverlust oder Verlust der Bewegungsfähigkeit im Arm, in der Hand oder in den Fingern
kann eine Anpassung der Steuerung nötig werden, um den Rollstuhl weiterhin selbständig zuverlässig fahren und lenken zu können.
Nachrüstung eines Mini-Joysticks, der wenig Bewegungsweg / Kraft erfordert
Wenn noch minimale Hand- oder Fingerbewegungen möglich sind, kann beispielsweise ein leichtgängiger Mini‑Joystick, der nur minimale Bewegung erfordert, nachgerüstet werden.
Auch Tastenjoysticks, Trackballs oder Touchpads sind als Nachrüstungen erhältlich.
Bei vielen neurodegenerativen Erkrankungen, Motoneuronerkrankungen, Muskeldystrophien und Neuropathien, etwa bei
- Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
- Spinale Muskelatrophie (SMA)
- Progressive Muskelatrophie (PMA)
- Primäre Lateralsklerose (PLS)
- Morbus Parkinson
- Multisystematrophie (MSA)
- Progressive supranukleäre Blickparese (PSP)
- Huntington-Krankheit
- Muskeldystrophie
- Multiple Sklerose
- spastische Paraplegie
- Charcot-Marie-Tooth
- Rheumatische Erkrankungen
kann es aufgrund der Muskelschwäche nötig werden, über eine alternative Elektrorollstuhl-Steuerung nachzudenken.
Insbesondere wenn es folgende Schwierigkeiten mit einer Standard-Steuerung gibt:
- die Hand‑ und Fingerbeweglichkeit ist eingeschränkt
- zu wenig Kraft zum Halten/Bewegen des normalen Joysticks, besonders bei längeren Fahrten
- schnelle Ermüdung
- zu kleiner „Fehler-Spielraum“, minimale Abweichungen führen zu ungewollten Richtungswechseln
- zunehmende Spastiken und unwillkürliche Bewegungen
- zunehmend ungünstige Sitzposition oder Armauflage, die die verbliebene Motorik erschwert
Eine alternative Antriebssteuerung für den Elektrorollstuhl kann helfen, weil sie entweder weniger Kraft braucht, andere Bewegungen und Muskeln nutzt oder die Eingabe besser filtert.
Fallbeispiel: Rollstuhlsteuerung bei ALS - kein Hilfsmittel von der Stange
Die Anpassung eines bestehenden Elektrorollstuhls mit einer Sondersteuerung bei ALS oder anderen motorischen Einschränkungen ist fast immer eine sehr individuelle Lösung.
Außer den technischen Anforderungen des Rollstuhlmodells und der jeweiligen Steuerungsschnittstelle
muss die Spezialsteuerung vor allem an die erhaltengebliebenenen motorischen Funktionen angepasst werden,
aber natürlich unter ganzheitlichen Beachtung von Sitzpositionen, Kopfstützenposition, Position der Steuerung, Empfindlichkeit, der Fahrprofile und Nutzeranforderungen.
Denn auch wenn die Art der E-Rolli-Steuerung das Hauptkriterium ist, ob jemand selbständig sicher fahren kann,
sind auch die Position der Steuerung oder kleine Änderungen an Sitzwinkel, Kopfstütze oder Empfindlichkeit entscheidend darüber,
ob eine entlastende Funktion gegeben ist oder die beanspruchten Muskelgruppen nach wenigen Minuten erschöpft sind.
Prinzipielle Steuerungsmöglichkeiten mittels Joystick bei einem Elektrorollstuhl
Mini‑Joysticks lassen sich häufig flexibel positionieren, etwa nahe am Kinn, an der Armlehne oder an einer zusätzlichen Halterung
und müssen nicht ausschließlich mit den Fingern bedient werden. Es kommt immer auf eine ganzheitliche Lösung an.
Leichtgängiger Mini‑Joystick für den Elektrorollstuhl
Diese Variante hat meist einen deutlich kürzeren Bewegungsweg und benötigt weniger Kraft. Außerdem kann sie oft näher an den Körper positioniert werden.
Ein Mini‑Joystick kann beim Elektrorollstuhl zum Einsatz kommen, wenn noch ein oder zwei Finger oder ein kleiner Handimpuls zuverlässig möglich ist.
Wesentlich sind die richtige Griff‑/Knauf‑Form und eine individuell gut abgestimmte Empfindlichkeit.
Tastenjoystick als Rollstuhlsteuerung
Ein Tastenjoystick als Rollstuhlsteuerung - auch als Hybrid-System Tastenfeld mit Joystick kann in manchem Fällen Vorteile bieten,
z. B. weil Haltearbeit entfällt oder dadurch die Eingabe weil sicherer wird.
Touchpad
Als alternative Rollstuhlsteuerung kann auch ein Touchpad zum Einsatz kommen, sofern die Motorik auf engem Raum noch gut funktioniert und die Haltung stabil ist.
Trackball
Auch eine Trackball-Steuerung kann bei bestimmten Restfunktionen bei einem E‑Rollstuhl nachgerüstet werden. Diese Art der Steuerung erfordern wenig Auslöseweg und beansprucht andere Muskelgruppen.
Je nach Verlauf kann auch eine Kopf‑ oder Kinnsteuerung, Atemsteuerung, Augensteuerung oder Schalterbedienung mittels Scanning die passendere Option sein.
Beratung
Diese Seite kann leider keine individuelle Beratung aus der Ferne leisten. Aber die Berater des HMNW stehen Ihnen unverbindlich für eine Erstberatung und für kostenfreie Vor-Erprobungen zur Verfügung. Einfach hier Kontakt mit dem Rollstuhlsteuerungs-Experten vor Ort aufnehmen:
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Ich brauche eine andere Rollstuhl-Steuerung. Kann ich meinen bisherigen Rollstuhl behalten?
In aller Regel ja. Folgende Rollstühle können u.a. mit einem alternativen Joystick, z. B. bei ALS ausgestattet werden:
- Permobil Corpus
- Ottobock Juvo
- Invacare AVIVA, TDX
- Sunrise Medical QUICKIE
- Sunrise Medical ZIPPIE Kinder‑Elektrorollstühle
- MEYRA iCHAIR, Optimus, TA
- DIETZ Power MINKO, SANGO
- Quantum Rehab Q6
- Vermeiren
- Bischoff & Bischoff Ejoy
- Drive DeVilbiss Healthcare Airfold, Instafold
- LEVO
Auch weitere, hier nicht aufgeführte Hersteller und Modelle sind in der Regel nachrüstbar, da die meisten Elektrorollstühle ein standardisiertes Steuersystem wie R‑net, Q‑Logic oder DX2 nutzen, an die eine Spezialsteuerung per Schnittstelle verbunden werden kann.
Wie hoch sind die Kosten einer Sondersteuerung?
Da Spezialsteuerungen für Elektrorollstühle eine sehr individuelle und sicherheitsrelevante Leistung sind,
ist eine Anpassung recht teuer; mit einem mindestens vierstelligen Betrag in Euro ist zu rechnen.
In der Regel übernehmen die gesetzlichen Krankenversicherung die Kosten für eine notwendige Anpassung.
Gerne beraten die Berater des HMNW Sie auch in der Kostenfrage und helfen bei der Antragsstellung.
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Warum sollte ich mich frühzeitig beraten lassen?
Bei der Nachrüstung einer Sondersteuerung für einen E-Rolli müssen viele Faktoren berücksichtigt werden, die von Fall zu Fall höchst unterschiedlich sind:
- Welche Bewegungen sind und bleiben auch in Zukunft zuverlässig, z. B. Kopfbewegung / Hinterhauptsteuerung, Kinnbewegung, Augensteuerung, Lippen, Zunge, Atmung, Fuß, einzelne Finger?
- Welche Eingabe bleibt auch dann möglich, wenn die Haltung nicht perfekt ist?
- Was muss bei einer schnellen Ermüdung, bei Schmerzen, Beatmung oder Beeinträchtigungen im Sehen und Hören berücksichtigt werden?
- Welche seltenen, unwillkürliche Bewegungen können sich störend auswirken?
- Welche Einsatzzwecke und Fahrprofile sind relevant (z. B. im Haus, im Gelände), und was ist, wenn sich die Lebenssituation verändert?
- Wie muss eine Abnahme der Muskelkraft etwa bei einem progressiven Verlauf von ALS, so berücksichtigt werden, dass die Rollstuhlsteuerung mit abnehmender Motorik "mitwächst"?
- Wie sieht das Sicherheitsumfeld: Bewegt sich der Nutzer allein oder mit Begleitperson?
- Welche Systeme werden noch genutzt oder sollen zukünftig eventuell genutzt und miteinander verbunden werden?
z. B.
- Steuerung eines Hausrufsystems,
- eines Sprachcomputer oder
- einer Umfeldsteuerung
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Auch zu kombinierten Lösungen wie Elektrorollstühle mit Sprachcomputer oder Rollstühle mit Umfeldsteuerung
und zu Ihren Fragen der Kostenübernahme stehen Ihnen die Hilfsmittelberater beratend zur Seite.
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